„Wenn man wach bleibt, hat man mehr Hunger“

27. April 2022

Noch ehe die Sonne aufgeht, wird Bünyamin Berat derzeit wach. Dann isst und trinkt der Elfjährige aus dem Bundesland Rheinland-Pfalz etwas. Tagsüber fastet er, so wie auch viele andere Menschen, die zur Religion Islam gehören. Sie wollen während des Fastenmonats Ramadan ihren Körper und Geist reinigen. Kinder müssen noch nicht mitmachen, aber Bünyamin Berat macht es freiwillig. Er berichtet, wie es läuft und was am Ende des Monats passiert: 

„Wir stehen um 4 Uhr morgens auf und essen Frühstück: Brot, Gemüse, Obst. Wir essen, so viel wir können. Dazu trinken wir sehr viel Wasser. Ich gehe danach noch mal schlafen, denn wenn man wach bleibt, hat man mehr Hunger.

Ich probiere, so lange zu fasten, wie es geht. Manchmal schaffe ich es den ganzen Tag. Aber manchmal geht es nur bis mittags oder nachmittags. Ich gewöhne mich noch daran, denn ich bin noch ein Kind. Wenn man schon oft in seinem Leben gefastet hat, dann bekommt man nicht mehr so viel Hunger.

Wenn ich Hunger bekomme, lege ich mich manchmal hin und spiele ein bisschen Playstation oder ich gucke einen Film mit meiner Mama. Auch fahre ich viel mit dem Fahrrad. Auf den Fußball verzichte ich. Im Schulsport mache ich mit, wenn ich noch keinen Hunger habe, aber wenn mir schwindelig ist, dann höre ich auf. Der Lehrer versteht das.

Wenn die Sonne untergeht, dann ist Iftar, dann können wir essen und trinken. Wenn ich mit faste, dann darf ich mir das Essen wünschen. Am liebsten habe ich Spaghetti mit Tomatensoße oder Joghurtsuppe. Aber zuerst trinke ich Wasser oder Mineralwasser.

Wir versuchen sowieso, fünfmal am Tag zu beten. Im Ramadan gehen wir abends nach dem Iftar noch in die Moschee. Dort sind die Tarawih-Gebete. Dabei wird der Koran vorgelesen, unser heiliges Buch.

Ich merke, dass ich im Ramadan entspannter geworden bin. Ich bin eigentlich immer sehr sauer, wenn ich hungrig bin. Aber ich lerne, damit umzugehen.

Bald ist der Fastenmonat vorbei. Ab dem 2. Mai ist das Ramadanfest. Da sind wir sauber und sehen schick aus, ich trage Jeans und ein weißes Hemd. Wir gehen zum Beten in die Moschee und danken unserem Gott, dass wir Ramadan ohne Krankheit geschafft haben. Wir haben es verdient zu feiern.

Dann gehen wir zum Frühstück zu meiner Oma. Alle Geschwister meiner Mutter kommen dorthin. Sie helfen mit, gefüllte Weinblätter zuzubereiten, gefüllte Teigtaschen und Hühnchen. Dann wird viel gegessen. Aber das wichtigste ist, dass die ganze Familie zusammenkommt.“

© dpa-infocom, dpa:220427-99-62900/1

dpa.

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