Weiter betreiben oder abschalten?

27. Juli 2022

Drei Atomkraftwerke liefern in Deutschland noch Strom. Ende des Jahres sollen sie eigentlich abgeschaltet werden. Denn das Ende der Atomkraft war fest abgemacht.

Nun aber sind manche Leute dagegen. Denn wegen der Probleme mit Russland könnte es vielleicht passieren, dass elektrischer Strom knapp wird. Das soll aber auf keinen Fall geschehen, denn wir brauchen Strom für alles Mögliche: Licht, Kühlschrank, Handy, Fabriken. Was spricht dafür, die Kraftwerke länger zu betreiben, was dagegen?

Für längere Laufzeiten

Wenn mehr Strom aus Atomkraftwerken zur Verfügung steht, muss wahrscheinlich nicht so viel Strom aus Erdgas erzeugt werden. Derzeit kommt etwa ein Zehntel des Stroms aus diesem Gas. Doch Erdgas ist gerade besonders knapp. Wird es nicht in Stromkraftwerken genutzt, kann es zum Beispiel dazu verwendet werden, Heizungen zu betreiben.

Wo soll der fehlende Strom sonst herkommen? Möglicherweise würde Deutschland dann noch mehr Kohle verbrennen. Das wäre aber besonders schlecht fürs Klima, weil dabei so viele klimaschädliche Gase ausgestoßen werden.

Gegen längere Laufzeiten

Sollen die Atomkraftwerke nicht nur einige Monate länger laufen, sondern vielleicht Jahre länger, brauchen sie neue Brennelemente. In ihnen werden winzig kleine Atome gespalten, um Energie zu erzeugen. Die Brennelemente sind aber nicht so schnell zu bekommen. Außerdem bleiben sie am Ende als zusätzlicher radioaktiver Atommüll übrig. Dieser ist extrem gefährlich, und das über Tausende von Jahren. Zudem ist unklar, wo der Atommüll irgendwann einmal lagern soll.

Um die Kraftwerke länger zu betreiben, müsste das Atomgesetz geändert werden. Das wäre ein riesiger Aufwand. Außerdem stünden dann wohl neue Sicherheitsprüfungen an. Ein Unfall in einem solchen Kraftwerk kann zu einer Katastrophe führen. Bisher gibt es bei den drei Atomkraftwerken keine Bedenken für die Sicherheit. Aber die letzte gründliche Überprüfung ist schon 13 Jahre her.

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dpa.

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