Streit über Schwein

14. Juni 2022

Viele Kirchen in Deutschland sind Hunderte Jahre alt. Sie zeigen, was den Menschen früher gefallen hat und was ihnen wichtig war. Dazu gehören nicht nur bunte Fenster oder riesige Räume. Es wurden Geschichten aus der Bibel und andere Themen künstlerisch dargestellt. Denn die meisten Menschen konnten vor Hunderten Jahren noch nicht lesen oder schreiben.

Nicht nur schön 

Aus unserer heutigen Sicht sind dort nicht nur schöne Sachen zu sehen. An einigen Kirchen in Deutschland und auch im Land Frankreich gibt es zum Beispiel eine bestimmte Figur, die immer wieder zu sehen ist. Es geht um die sogenannte „Judensau“. Die Figur gibt es zum Beispiel an der Kirche in der Stadt Wittenberg. Sie zeigt Juden, die an den Zitzen eines Schweins trinken oder ihm in den Po schauen. Damit soll ausgedrückt werden, wie sehr viele Kirchenmenschen und Christen früher Jüdinnen und Juden hassten. Juden sind Menschen, die zum jüdischen Volk oder zum jüdischen Glauben gehören.

Sie sind immer noch da

Ein Fachmann für das Thema Hass gegen Juden, Uffa Jensen, erklärt: „Damit wurden Juden aus einer christlichen Sicht als Fremde abgelehnt.“ Dabei lebten sie schon damals gemeinsam in denselben Städten. Bis heute gebe es in ganz Deutschland noch viele ähnliche Darstellungen. Man finde sie an Kirchen, in Büchern oder alten Flugzetteln, sagt er. „Damals stifteten sie auch echten Hass.“ Juden seien immer wieder vertrieben oder verfolgt worden. 

Das ist heute anders, dennoch hat sich lange niemand besonders um die beleidigenden Darstellungen gekümmert. „Man dachte sich: Dieses alte Zeug, das stört ja keinen.“ Aber eine „Judensau“ kann immer noch beleidigend sein.

Vor Gericht

Deswegen hat sich ein jüdischer Mann über die Figur in Wittenberg beschwert. Das oberste Gericht in Deutschland hat darüber verhandelt. Die Richter entschieden am Dienstag: Die Figur darf da bleiben, wo sie ist. Eine Bodenplatte erkläre die Geschichte dieser Figur. So werde sie zu einem Mahnmal. Uffa Jensen sagt: „Man kann das Objekt entfernen und in ein Museum stellen, und es dort erklären, damit man die Geschichte nicht vergisst“. Der Kläger will sich mit dem Urteil nicht zufriedengeben. Deswegen will er es noch bei anderen Gerichten versuchen.

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dpa.

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