Luisa Neubauer: „Abhängig davon, dass es dem Klima gut geht“

14. November 2022

Um so wenig wie möglich zu fliegen, ist Luisa Neubauer den größten Teil der Strecke mit Bussen und Zügen gefahren. Auch andere Klimaschützer haben es so gemacht. Sie alle wollten beim Klima-Gipfel in Ägypten dabei sein. Was sie dort erreichen möchten und wie warum Luisa Neubauer die Hoffnung auf besseren Klimaschutz nicht aufgibt, erzählt sie den dpa-Kindernachrichten. 

Bei der Klima-Konferenz kommen viele Menschen zusammen: Regierungen, aber etwa auch Vertreter von Öl- und Gasfirmen. Was können Klima-Aktivisten auf so einer Konferenz bewirken?

Luisa Neubauer: „Die Vertreter wollen mit den Regierungen sprechen und denen, die hier verhandeln. Wenn wir nicht auch rumlaufen und mit den Regierungen sprechen und ein Gegengewicht sind, dann kann das hier blöd ausgehen. Wir zeigen: Es kann auch andere Optionen geben als mehr Öl und Gas. Wir können, wenn wir uns richtig anstrengen, wichtige Zeichen setzen.“

Wie kann man Menschen am besten überzeugen, wenn sie das Thema Klima nicht ernst genug nehmen? 

Luisa Neubauer: „Wir stehen alle morgens auf und atmen Luft ein. Wir sind davon abhängig, wir brauchen sauber Luft. Und dann gehen wir Zähne putzen oder Tee trinken - und wir brauchen sauberes Wasser. Oder wir schmieren unser Frühstücksbrot und brauchen das Essen. Das alles gibt es nur, weil unsere Natur für uns arbeitet, weil die Bäume die Luft filtern und die Steine das Wasser filtern. Wir können uns zwar einreden, dass uns das Klima nicht interessiert. Aber wir sind in jeder Sekunde, in der wir leben, abhängig davon, dass es dem Klima auch gut geht.“

Warum passiert so wenig, obwohl alle die Gefahren kennen? 

Luisa Neubauer: „Wir sind noch nicht laut genug. Viele Staatschefs und Staatschefinnen auf der Welt glauben, dass es immer Wichtigeres zu tun gibt, als das Klima zu retten. Aber wenn das Klima nicht gerettet wird, dann ist alles andere nichts. Dann bleibt nicht übrig. Und das heißt, wir müssen lauter werden und sie von diesem Irrtum wegbringen.“ 

Wie schaffst du es, dich nicht entmutigen zu lassen? 

Luisa Neubauer: „Ich arbeite mit ganz, ganz vielen anderen Aktivistinnen und Aktivisten zusammen. Viele kennen bestimmt Greta aus Schweden oder Vanessa aus Uganda. Ich arbeite auch viel mit Menschen zusammen, die aus viel schwierigeren Umständen kommen. Deren Eltern sind vielleicht durch Fluten gestorben oder deren Geschwister können nicht in die Schule gehen, weil das Schulgeld nicht da ist. Oder deren Häuser wurden geflutet oder sie haben immer wieder nichts zu essen. Das sind Menschen, die oft ganz direkt Angst haben müssen vor der Klimakatastrophe. Wenn die es schaffen, aufzustehen und was zu tun, wer wäre ich dann hier im sicheren Deutschland und mit all den Möglichkeiten und Freiheiten, die wir haben, zu sagen: Ich will das nicht mehr. Diese Menschen geben mir die Hoffnung.“

Wie ist die Stimmung auf so einer Klima-Konferenz? Ist sie bedrückend oder gibt es auch schöne Momente?

Luisa Neubauer: „Es gibt auch lustige Momente. Gestern Abend haben wir zum Beispiel alle ganz lange getanzt. Wir haben in die Wüste geguckt, und der Wind hat in den Palmen geraschelt. Das war sehr schön. Aber ich lerne bei dieser Konferenz sehr viel darüber, warum wir, wenn wir für Klimaschutz kämpfen, auch immer für die Freiheit von Menschen kämpfen. Dafür, dass sich hier niemand bedrückt fühlen muss oder Angst haben muss, etwas zu sagen und verhaftet zu werden.“

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dpa.

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