Luft anhalten in extremen Kurven

06. März 2019

Früher rannte Martin Grothkopp als Leichtathlet über die Laufbahn. Heute hat er häufig Eis unter den Füßen, wenn er losrennt. Denn Martin Grothkopp ist Anschieber bei Bob-Rennen. Er schiebt also zusammen mit seinen Teamkollegen erst den Schlitten an. Dann springt er hinein und rast die Eisbahn hinunter.

An diesem Wochenende tritt er mit seinem Team bei der Weltmeisterschaft im Viererbob an. Dafür sind die Sportler in das Land Kanada gereist. dpa-Nachrichten für Kinder erzählte er, wie es sich anfühlt, als Anschieber hinten im Bob zu sitzen und nichts zu sehen.

Worauf kommt es beim Start an?

Martin Grothkopp: «Man muss schnell anschieben können, man muss kräftig sein, um diesen schweren Schlitten fortzubewegen, und dann schnell einsteigen. Das übt man am besten schon im Sommer. Aber die richtigen Einstiege kann man eigentlich nur mit allen Trainingspartnern im Winter richtig trainieren.»

Übt man nur in der Eisbahn oder springt man beim Training auch mal in einen stehenden Bob?

Martin Grothkopp: «Wir üben auch im Trockenen, also in der Garage oder in unserer Unterkunft. Da klappt auch immer relativ viel. Wenn der Schlitten sich dann bewegt mit 30 bis 35 oder 40 Kilometern pro Stunde, ist es doch noch mal was anderes, da einzusteigen. Deshalb ist das Training direkt in der Bahn immer am wichtigsten.»

Wie fühlt es sich an, hinten im Bob zu sitzen und nichts von der Bahn zu sehen?

Martin Grothkopp: «Man hat die Bahn natürlich im Kopf und probiert, die Kurve ein bisschen vorwegzunehmen - einfach mitzugehen im Schlitten. Der Körper wird in den Schlitten reingepresst. Man hofft, dass es schnell vorbei ist.»

Und wie hält man diesen Druck denn aus?

Martin Grothkopp: «Bei extremen Kurven wird meistens die Luft angehalten, weil der Druck so groß ist. Dann muss man aber wieder atmen kurz danach.»

Merkt man als Anschieber, wenn man im Ziel ist?

Martin Grothkopp: «Meistens wissen wir, wann die Ziellinie da ist. Manchmal spürt man es auch, weil es dann doch extrem langsamer wird. Wenn es eine gute Fahrt war, wird schon mal gejubelt. Wenn es eine besonders schlechte Fahrt war, wird auch mal ein bisschen geflucht.»

Was ist toll am Bobfahren?

Martin Grothkopp: «Es gefällt sicherlich nicht jedem, aber mir hat es gefallen, dass sich vier kräftige Kerle hochmotiviert mit dem Schlitten in den Eiskanal stürzen und das Ding maximal anschieben. Außerdem ist die Geschwindigkeit während der Fahrt sehr beeindruckend.»

Interview: Frank Kastner, dpa

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