Ein Sternchen für alle Menschen

29. Januar 2019

«Liebe Schülerinnen und Schüler!» So fängt zum Beispiel eine Rede in der Schule meist an. In der Politik wird oft diese Anrede benutzt: «Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!». So sollen sich weibliche und männliche Zuhörer angesprochen fühlen. Früher wurde dagegen oft nur von Schülern oder Zuhörern gesprochen.

Doch auch mit der langen Anrede fühlen sich nicht immer alle gemeint. Denn nicht alle Menschen sind eindeutig Mann oder Frau. Dann spricht man von intergeschlechtlich. Manche wollen auch nicht in Geschlechter eingeordnet werden. Sie sagen: Wir sind anders, wir passen da nicht rein.

Wenn die auch gemeint sein sollen, kann die Schulleiterin stattdessen sagen: «Liebe Schüler*innen!» Sie setzt also im Wort ein Sternchen zwischen die männliche Form und die weibliche Endung. An diese Stelle gehört beim Sprechen dann eine ganz kleine Pause.

So ein Sternchen nennt man Gendersternchen (gesprochen: Dschänder-Sternchen). Die Idee dahinter: In der Sprache sollen alle Geschlechter gleich behandelt werden. Niemand wird ausgegrenzt.

Am Dienstag wurde das Gendersternchen zu einem wichtigen Wort des vergangenen Jahres ernannt. «2017 kannte das noch niemand, 2018 ist das auf einmal total bekannt geworden», sagte der Sprach-Experte Anatol Stefanowitsch. Er gehört zur Jury, die das Wort auswählte.

Einige Leute nutzen auch den Unterstrich. Also etwa «Teilnehmer_innen». Das hat die gleiche Bedeutung wie das Sternchen. Der Sprach-Experte meint: «Viele Leute bevorzugen das Sternchen, weil es sympathisch ist. Sternchen mögen wir einfach.»

Mittlerweile nutzen auch einige Behörden das Sternchen. Etwa die Stadt Hannover und Beamte in Berlin. «Es gehört aber noch nicht zur amtlichen Rechtschreibung», sagt der Sprach-Experte. «Deswegen sollte man es im Diktat und im Aufsatz lieber nicht verwenden.»

dpa.

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