Zwei Brüder erleben eine Sturmnacht auf einer Hallig

06. Dezember 2013

Beinahe hätten die Brüder Jan-Ole und Tarek in der Nacht zum Freitag in ihren normalen Klamotten schlafen müssen - sicherheitshalber. Denn eine große Sturmflut kam. Da wollte der Vater, dass die Familie bei Gefahr schnell fertig angezogen ist.

Dann schliefen sie aber doch in ihren Schlafsachen - weil es nicht so schlimm kam, wie befürchtet. Die Familie wohnt auf der Hallig Langeneß. Das ist so etwas wie eine Insel, aber mit einem ganz wichtigen Unterschied: Eine Hallig wird immer wieder bei großem Hochwasser vom Meer überspült. Das ist normal. Das passiert in manchen Jahren mehr als zehn Mal. Aber nur sehr selten sind so gewaltige Stürme wie der Freitagnacht.

Der zehnjährige Jan-Ole und der achtjährige Tarek leben in einem Haus mit Blick auf die Nordsee. Das Haus steht auf einem über fünf Meter hohen Erdhügel. Warft nennt man solche extra angelegten Hügel. Auf Langeneß gibt es 18 bewohnte Warften. Freitagnacht ragten die Warften wie Burgen aus dem Wasser heraus. Einige Wellen schwappten fast ans Haus von Jan-Ole und Tarek. Dazu gab es heftige Windböen. Regen und Hagel prasselte an die Fenster.

Hatten die Brüder Angst? «Ne, nicht so richtig, doller Wind ist normal bei uns, aber nicht Orkanböen», sagt Jan-Ole. Und Tarek? «Nö, ich konnte gut schlafen. Der Wind ist am Fenster vorbeigezischt. Einmal dachte ich, da klopft jemand. Aber das war nur die Fenster-Abdeckung.» Am Abend hatten sie mit ihrer Mutter gemeinsam gelesen, Jan-Ole hörte noch eine CD mit Musik. Und Sticker-Alben hatten die Brüder am Nachmittag geklebt, weil sie drinnenbleiben mussten.

Das Schönste an Stürmen ist, dass die Brüder dann schulfrei haben, findet Jan-Ole. Er freut sich, nach Stürmen am Wasser spielen zu können. Dann muss aber der Wind schon nachgelassen haben. Gern sucht er vom Meer angespülte Flaschenpost. Ein Mal hat's geklappt. «Da war in der Flasche ein Brief drin und auch Steine.»

Tarek findet es am schönsten, nach Hochwasser mit Gummistiefeln durchs Wasser zu laufen. Und was ist am schlimmsten, wenn die Hallig unter Wasser steht? «Dass man sich nicht verabreden kann», sagt Jan-Ole. Und Tarek: «Ich kann dann nicht mit meinen Inlinern raus.»

Von Matthias Hoenig, dpa

Schließen

    Diesen Artikel versenden





Bitte bestätigen Sie Ihre Angaben

Bitte geben Sie den untenstehenden Code ein

© VRM GmbH & Co. KG 2020
Alle Rechte vorbehalten | Vervielfältigung nur mit Genehmigung der VRM GmbH & Co. KG