Wie ein großes Puzzlespiel - So findet man Gas im Meeresboden

28. März 2012

Seit einigen Tagen hat eine Bohrinsel in der Nordsee ein Leck. Seitdem strömt Gas ungehindert in die Luft und ins Wasser. Das sollte nicht passieren. Denn eigentlich wird das Gas gezielt vom Meeresboden heraufgeholt - und dann zu Brennstoff verarbeitet.

Wie das Gas am Meeresboden abgebaut wird, erklärt ein Experte für Rohstoffe im Meer: Christian Reichert.

Wie kommt man dem Gas auf die Spur?

Christian Reichert: «Man fährt mit dem Schiff über das Meer und zieht verschiedene Geräte hinter sich her. Ein Gerät sendet Schallwellen aus. Die werden zum Meeresboden geschickt und dringen tief ins Gestein ein. Die Schallwellen treffen dabei auf verschiedene Arten von Gestein - hartes, weiches oder auch bröseliges. Von jedem wird der Schall anders reflektiert: Er wird also unterschiedlich stark an die Wasseroberfläche zurückgesendet. Hier wird der Schall von einem Gerät aufgefangen und gemessen. So kann man sich ein Bild vom Meeresboden machen.»

Und wie findet man heraus, ob es da wirklich Gas gibt?

Christian Reichert: «Mit den Schallwellen kann man ganz viele Daten sammeln. Man weiß, wo kommt welche Gesteinsart vor. Das ist unser erstes Puzzle-Teil. Dann müssen wir überlegen: Kann es da wirklich Gas geben? Unter welcher Temperatur hat es sich gebildet? Wie alt kann das Gas sein? Das ist der zweite Teil im Puzzle. Dann füttert man den Computer mit den Daten und erstellt ein Modell. Ganz zum Schluss macht man eine Probebohrung - und schaut, ob es da wirklich Gas gibt.»

Wie wird das Gas im Meeresboden gespeichert? In großen Höhlen?

Christian Reichert: «Nein, große Höhlen gibt es nicht. Das Gas steckt in Gestein drin. In den sogenannten Poren. Das sind ganz winzig kleine Höhlen im Gestein. Dort wird das Gas gespeichert. Es kann nicht raus. Obwohl es das eigentlich will. Aber eine undurchdringbare Schicht, zum Beispiel aus Ton, schließt alles ab. Das Gas kann da nicht durch.»

Und wie kriegt man es dann doch da heraus?

Christian Reichert: «Man piekst einfach rein. Das heißt, man bohrt ein Loch durch die Tonschicht. Und dann geht es fast von allein. Denn das Gas will sowieso immer nach oben. Das kommt durch den Druck im Inneren des Gesteins. Der presst das Gas nach oben. Die Tonschicht verschließt aber das Ganze. Durch das Bohrloch nimmt man nun den Druck an einer Stelle weg - das Gas hat hier jetzt die Möglichkeit zu entweichen.»

dpa.

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