Ei, ei, ei...

Gabriele Schättel war viele Jahre lang Lehrerin an einer Grundschule in Bingen. Und zusammen mit den Kindern hat sie viele Geschichten erlebt. Und sie schreibt auch schöne Geschichten. Lies selbst!



In diesem Jahr ist es dem Frühling ganz schnell gelungen, den Winter zu verjagen!

Vor ein paar Jahren war das genau so. Schon Anfang März blühten die Veilchen. Die Buben waren in keiner Pause zu sehen, weil sie auf dem Sportplatz hinter der Schule bolzten. Die Mädchen hatten Hickelhäuschen gemalt oder spielten Gummitwist.

Franziska kam nach der Pause auffällig langsam und vorsichtig ins Klassenzimmer, die Hände unter dem Pulli verborgen. Als die Lehrerin den Auftrag gab "Lesebücher raus", machte Franziska keine Anstalten. Sie rutschte auf ihrem Stuhl tiefer und stellte die Ohren auf Durchzug. Unter der Bank hielt sie etwas versteckt, was keiner sehen sollte, das merkten alle.
Aber das Lesebuch musste auf den Tisch, da kam sie nicht dran vorbei.

Ungern öffnete sie ihre Hände. Was hatte sie da? Ein schönes weißes Hühnerei. Franziska hatte es im Gebüsch hinter der Schule gefunden. Vom Osterhasen konnte es nicht sein, das war klar, denn der Osterhase bringt bunte Eier. "Wenn ich es ganz warm halte", erklärte Franziska hoffnungsvoll, "kommt vielleicht ein Küken raus!"

Ein lebendiges gelbes Osterküken - das wäre schön! Aber die Lehrerin musste Franzi den Traum zerstören. "Eins von Nachbars Hühnern hat sich verirrt. Das Ei liegt sicher schon lange in den Büschen und ist ganz kalt geworden. Da schlüpft kein Küken mehr. Bring es zum Bio-Müll!"
Franziska sträubte sich wie wild. Das Ei sollte mit nachhause - dort wollte sie eine Schuhschachtel mit Watte auspolstern und auf die Heizung stellen. So hätte das Ei ein schönes warmes Nestchen.

Kein Zureden half - Franzi zog nach Schulschluss mit ihrem Ei davon.
Aber wie es so geht: Sie zeigte ihren Klassenkameraden den Fund ein wenig zu oft - das Ei fiel zu Boden und zerplatzte. Der Dotter und das Eigelb zerliefen auf dem Bürgersteig - kein Küken weit und breit.
Arme Franzi! Aber der Osterhase hat zum Trost schöne gelbe Schokoladenküken gebracht.

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