Zwei neue Herzen für Kilian und Jamie

26. April 2021

Fußball spielen, Fahrrad fahren, spazieren gehen. Das ist für viele Kinder völlig normal. Kilian und Jamie aber konnten das lange Zeit nicht machen. Oder sie mussten sich dafür sehr anstrengen. Denn die 13 Jahre alten Zwillinge aus dem Bundesland Sachsen-Anhalt hatten beide ein krankes Herz. Der Muskel schaffte es nicht mehr, ausreichend Blut durch ihre Körper zu pumpen.

«Es ging beiden schlecht», sagt ihre Mutter Mareen Schimmel. «Sie waren im Alltag überhaupt nicht mehr belastbar. Sie konnten keine Treppen mehr steigen, keine kurzen Strecken zu Fuß zurücklegen, ohne dass eine Pause gemacht werden musste.»

Es war klar: Damit Kilian und Jamie weiterleben können, brauchen sie ein neues Herz. So ein Herz kommt von jemandem, der gerade gestorben ist - zum Beispiel bei einem Unfall. Unter bestimmten Bedingungen können das Herz und andere Organe danach trotzdem noch arbeiten. Dieser Mensch hat vorher entschieden, dass er sein Herz spendet, falls ihm so etwas passiert. Oder die Verwandten entscheiden es dann.

Auf so ein Spenderherz muss man aber oft sehr lange warten. Kilian und Jamie brauchten also doppeltes Glück. Und das hatten sie. Bei ihnen hat es etwa vier Monate gedauert. Die Zeit des Wartens war nicht einfach für die Brüder.

«Ich habe gehofft, dass sie mich anrufen», erzählt Kilian. «Weil ich Angst hatte, dass ich das nicht schaffe. Dass das Herz nicht rechtzeitig kommt.» Auch um seinen Bruder habe er sich große Sorgen gemacht. Als der Anruf dann im Februar kam, sei ihm ganz übel geworden. «Ich hatte Angst, dass die Operation nicht gut verläuft.» Aber am meisten habe er sich doch gefreut.

Und Jamie? Auch er bekam ein neues Herz, nur drei Tage nach seinem Bruder! Das sei eine Sensation, sagen die Ärzte. «Der 21. und 24. Februar, als beide ihr neues Herz bekommen haben, ist wie ein zweiter Geburtstag», sagt ihr Vater Roy Schimmel.

Natürlich gab es die Gedanken, wem die Herzen vorher wohl gehörten. «Wir hatten darüber gesprochen», erzählt Mareen Schimmel. Die Herzen gehörten Kindern, die gestorben sind. Das habe Kilian und Jamie auch belastet. Zwei Monate nach der Operation geht es den Brüdern körperlich viel besser. Kilian erzählt: Er freue sich, dass er jetzt wieder belastbarer ist und das machen kann, worauf er Lust hat.

Von André Jahnke und Silke Sullivan, dpa

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