«Wir müssen immer rennen»

21. November 2021

Wer derzeit in einem Krankenhaus arbeitet, hat einen besonders schweren Job. Denn es müssen zusätzlich zur normalen Arbeit viele Corona-Kranke behandelt werden.

Außerdem müssen die Beschäftigten ständig eng sitzende Masken tragen, um sich vor dem Virus zu schützen. Der Krankenpfleger Erik Busse aus dem Bundesland Nordrhein-Westfalen erzählt: «Wir laufen acht Stunden mit den dicken Masken rum, meistens ohne Pause.» Damit die Maskenschlaufen weniger stark drücken, steckt er zum Beispiel etwas Verbandsmaterial zwischen Schlaufe und Ohren.





Geht Erik Busse in ein Zimmer mit einem Corona-Patienten oder einer -Patientin, muss er noch mehr Schutzkleidung anziehen: Schutzkittel, Handschuhe, Gesichtsschutz und Haarschutz. «Beim Rausgehen muss man sich dann sorgfältig wieder ausziehen, damit man den nächsten Patienten nicht ansteckt», erzählt er. Das braucht viel Zeit.





Zeit fehlt den Krankenpflegern und Schwestern, den Ärztinnen und Ärzten aber! Überall in Deutschland sind die Krankenhäuser ziemlich ausgelastet. «Es ist super voll bei uns», sagt Erik Busse. Im Bundesland Sachsen etwa sind die Kliniken sogar schon überlastet.





Ist ein Krankenhaus voll, werden Menschen in ein anderes verlegt. Normalerweise ist das die nächste Klinik. Auch das klappt momentan nicht immer. Dann fahren die Krankenwagen weiter, manchmal ein oder zwei Stunden. Aus Bayern im Süden von Deutschland wurde sogar schon jemand nach Italien geflogen, weil kein Platz mehr war.


Die vollen Kliniken sind auch ein Problem für die Menschen, die in die Notaufnahme kommen: etwa wegen Herzproblemen oder nach einem Verkehrsunfall. Erik Busse erzählt, dass da nun alle länger warten müssen. «Und wir haben immer Zeitdruck, müssen immer rennen», sagt er. Eigentlich sei mehr Personal nötig. Das aber gebe es nicht, im Gegenteil! «Jetzt kündigen super viele Kollegen oder reduzieren die Zahl ihrer Stunden.» Sie hätten wegen der anstrengenden Corona-Zeit keine Kraft mehr.





Auch auf den Intensivstationen der Krankenhäuser fehlt Personal, also dort, wo die sehr schwer kranken Menschen hinkommen. Etwa eines von drei Intensiv-Betten in Deutschland könne gerade nicht genutzt werden, sagt der Intensiv-Mediziner Stefan Kluge. In der Notaufnahme suchen sie ständig nach Pflegekräften. «Auch wenn ich frei habe, werde ich fast täglich angerufen und gefragt, ob ich nicht kommen kann», erzählt Erik Busse.





Zahlreiche Pflegekräfte setzen sich dafür ein, dass mehr Menschen in den Krankenhäusern arbeiten. Erik Busse sagt, der Beruf müsse beliebter werden. «Dabei geht es etwa um den Lohn und die Arbeitszeit.» Er hofft, dass sich die Arbeit bald verbessert. «Denn die Pflege ist ein sehr schöner Beruf. Man tut gute Dinge und bekommt viel von den Patientinnen und Patienten zurück.»

Von Doreen Garud, dpa

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