Sportlerin Rabia fastet - «Ein unbeschreibliches Gefühl»

14. Juli 2013

Ein Tag ohne Essen und Trinken. Das ist für Rabia momentan normal. Denn für Muslime ist gerade Fastenzeit. Das heißt, sie dürfen tagsüber weder essen noch trinken. Muslime sind Menschen, die der Religion Islam angehören. Für Rabia ist das Fasten besonders schwierig: Die 19-Jährige ist nämlich gerade in Mexiko bei der Weltmeisterschaft im Taekwondo.

Das ist eine Kampfsportart. Wenn man so viel Sport macht wie Rabia, muss man eigentlich besonders viel trinken. Sie erzählt, warum sie trotzdem fastet und was sie isst, wenn die Sonne untergegangen ist.

Wie fühlst du dich nach einem Fastentag?

Rabia: «Wenn du abends wieder isst und weißt, du hast etwas für deine Religion gemacht: Das ist echt ein unbeschreibliches Gefühl. Ich kann nicht mehr so oft in die Moschee gehen und beten. Ich bin früher immer zum Unterricht in die Moschee gegangen. Aber momentan hab ich nicht so viel Zeit, dort hinzugehen.»

Hast du schon öfter bei Wettkämpfen oder beim Training gefastet?

Rabia: «Letztes Jahr war ich zur Fastenzeit auf einem Lehrgang. Da hab ich eigentlich durchgefastet. Ich hab ganz normal trainiert. Ganz normal meine Einheiten durchgeführt. Das lief auch eigentlich ganz gut. Das hört sich immer so schwer an, aber eigentlich war das nicht so. Wenn man etwas will, dann schafft man das auch.»

Isst und trinkst du eigentlich besonders viel, wenn du darfst?

Rabia: «Morgens esse ich selten etwas. Da trinke ich eher was. In der Früh hab ich echt keine Lust, etwas zu essen. Auch am Abend, wenn ich wieder essen darf, esse ich nicht so viel. Ganz normal eigentlich.»

Und was genau isst du am Abend?

Rabia: «Auf dem Lehrgang hatte ich nicht die Möglichkeit, selbst zu kochen und zu Hause zu essen. Da habe ich immer was bestellt oder wir waren draußen zusammen etwas essen. In meinem Team war nämlich noch jemand, der gefastet hat. Bei der WM muss ich noch schauen, wie die Möglichkeiten sind. Da wo wir sind, gibt es eine Pizzeria nebenan. Ich denke, wenn ich essen darf, gehe ich dahin und bestelle eine Pizza.»

Bist du nicht total kaputt, wenn du tagsüber nichts isst und trinkst?

Rabia: «Da fehlt dir schon ein bisschen die Kraft. Wenn ich Durst habe oder Kälte brauche, wasche ich deshalb mein Gesicht. Das hält man dann auch aus.»

Und ist das ein Nachteil für dich gegenüber anderen Sportlern?

Rabia: «Ein Nachteil ist es eigentlich nicht. An meinem Kampftag werde ich sowieso nicht fasten. Da ist es nicht möglich. In der Pause muss ich trinken, da brauch ich Zucker und so weiter.»

Wie bist du eigentlich zum Taekwondo gekommen?

Rabia: «Meine Schwester und mein Bruder waren immer beim Training. Und ich war immer zu Hause. Und ich hatte richtig Langeweile. Dann hab ich immer zu meinem Papa gesagt: "Bring mich auch in die Halle!" An einem Tag bin ich einfach mitgegangen und hab mittrainiert. Seitdem mach ich's!»

Interview: David Kluthe, dpa

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