Schweigend vor Gericht

19. Oktober 2021

In einem Rollstuhl wird die Angeklagte am Dienstag in den Gerichtssaal gebracht. Ihr Gesicht versteckt sie hinter ihrer Corona-Schutzmaske und einer Sonnenbrille. Es war der Start des Prozesses gegen die 96 Jahre alte Irmgard F. in der Stadt Itzehoe.

Anwälte werfen der Frau schlimme Dinge vor. Sie sagen: Irmgard F. hat vor knapp 80 Jahren geholfen, Tausende Menschen zu töten. Damals herrschten in Deutschland die Nationalsozialisten (abgekürzt: Nazis). Die Nazis brachten damals sehr viele Menschen um, etwa weil diese anders dachten als sie oder weil sie Juden waren, also wegen ihrer Religion.

Sehr viele Menschen starben damals in Lagern. Solche Lager errichteten die Nazis an vielen Orten in Europa. Irmgard F. soll in einem dieser Lager als Sekretärin gearbeitet haben. Ihr wird vorgeworfen, mit ihrer Arbeit denen geholfen zu haben, die dort für die Tötung von Menschen verantwortlich waren.

Ein Prozess wie dieser wird wohl nur noch sehr selten stattfinden. Denn die Zeit um die es geht, liegt weit zurück. Viele Menschen, die damals Verbrechen begangen haben, leben schon nicht mehr.

Auch deshalb interessiert dieser Prozess viele. Dazu gehören auch Menschen, die damals in den Lagern überlebten und denen dort schlimme Dinge angetan wurden. Sie wollen, dass die Verantwortlichen dafür endlich bestraft werden. Kurz nach dem Ende der Nazi-Herrschaft gab es zwar einige wenige Prozesse. Viele Menschen kamen aber einfach so davon. Doch es gibt Fachleute, die sich bis heute dafür einsetzen, dass Täter und Täterinnen von damals gefunden und bestraft werden.

Ob Irmgard F. dazu gehört, muss nun das Gericht entscheiden. Die Angeklagte sagte am Dienstag nichts zu den Vorwürfen. Eigentlich hätte der Prozess schon vor gut zwei Wochen beginnen sollen. Damals war die Frau jedoch kurz vor dem Start geflüchtet. Sie konnte später aber von Polizisten gefasst werden.

dpa.

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