Kinder ohne Geburtstag und ohne eigene Schuhe

19. November 2014

Die Brüder Sameer und Sahil wissen nicht, wann sie Geburtstag haben. «Unsere Eltern können nicht lesen und schreiben, deswegen haben sie es nicht aufgeschrieben», sagt Sahil.

Er glaubt aber, dass er etwa zwölf Jahre alt ist. Sein Bruder ist wahrscheinlich ein Jahr älter als er. «Wir feiern nie unseren Geburtstag. Aber wir feiern ganz viele religiöse Feste», sagt Sameer. Er zählt sie auf: Eid, Bakrid, Muharram....

Die beiden leben in Indien, das ist ein riesiges Land in Asien. Dort sind viele Menschen sehr arm und auch der Staat hat wenig Geld. Deswegen können die Kinder in Indien oft nicht die gleichen Sachen machen wie die Kinder in Deutschland. Manche Kinder können zum Beispiel nicht in die Schule gehen, weil sie den ganzen Tag lang arbeiten müssen.

Eigentlich sollten die Kinder in Deutschland und Indien die gleichen Rechte haben. Die Chefs der meisten Länder der Welt haben vor 25 Jahren ein wichtiges Dokument unterschrieben. Es heißt: «Übereinkommen über die Rechte des Kindes». Darin steht, dass Kinder viele tolle Rechte haben. Zum Beispiel das Recht, zur Schule zu gehen. Oder das Recht, genug zu Essen zu haben. Und das Recht, zum Arzt gehen zu können.

Außerdem soll jedes Kind ein Privatleben haben. Doch alleine sein ist für Sameer und Sahil schwierig, weil sie mit der ganzen Großfamilie in nur einem einzigen Zimmer leben. Die Brüder haben nicht einmal ein Bett. «Wir sind fünf Brüder und Schwestern. Nachts liegen wir alle nebeneinander auf Matten auf dem Boden», erzählt Sahil.

Im Raum nebenan lebt ihr Cousin Nadeem, der auch etwa zwölf Jahre alt ist. «In unserer Familie teilen wir uns alles: Kleidung, Spielzeug, Stifte», erzählt Nadeem. «Ich habe nichts für mich alleine. Außer ein bisschen Geld.» Derzeit besitzt Nadeem 30 indische Rupien, das ist so viel wie 39 Cent. «Wenn ich 50 Rupien gespart habe, kaufe ich mir neue Sandalen», sagt er. Derzeit hat er keine Sandalen und zieht deswegen immer die alten Schuhe seines Vaters an.

Um Geld zu bekommen, hilft Nadeem seiner Mutter beim Arbeiten. Ein Fabrikbesitzer bringt immer dünne Metallstäbe, die Nadeem mit einer kleinen Maschine zu Sprungfedern formt. «Jeden Abend müssen wir arbeiten. Dabei würden wir lieber spielen», sagt er. Sameer hilft seinem Vater oft beim Verkaufen von Obst und Gemüse.

Für arme Länder wie Indien ist es schwierig, alle Kinderrechte durchzusetzen. Doch manches funktioniert auch richtig gut in Indien. Zum Beispiel bekommen alle Schulkinder ein kostenloses Mittagessen. «Es gibt immer Reis, Gemüse, Linsen und Fladenbrot», erzählt Sahil. Das ist zwar ziemlich langweilig - es gibt ja jeden Tag das Gleiche. Aber zumindest knurrt der Magen nicht.

Von Doreen Fiedler, dpa

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