Ein Vertrag für die Freundschaft

22. Januar 2023

Auf Deutsch sagt man „Freundschaft“, auf Französisch „Amitié“. Diese Worte waren am Sonntag wichtig. Denn da trafen sich die Regierungen von Frankreich und Deutschland, um daran zu erinnern: Wir sind befreundet! Für diese Freundschaft wurde vor 60 Jahren sogar ein Vertrag geschlossen, der Élysée-Vertrag.

Aber ist das nicht eine etwas seltsame Freundschaft, für die man einen Vertrag abschließen muss? Wäre es nicht normaler, sich einfach gut zu verstehen und deshalb befreundet zu sein? Eigentlich ja. Doch tatsächlich sah die Beziehung zwischen Frankreich und Deutschland vor 60 Jahren ganz anders aus. Die beiden Nachbarländer hatten über viele Jahrzehnte immer wieder Krieg gegeneinander geführt, zuletzt im Zweiten Weltkrieg.

Es gab viele Vorurteile und die Menschen in beiden Ländern waren sich fremd. Doch zwei Politiker wollten das ändern. Es waren der deutsche Kanzler Konrad Adenauer und der französische Präsident Charles de Gaulle. Im Élysée-Palast in der französischen Stadt Paris unterschrieben sie deshalb den Vertrag.

Darin stand unter anderem, dass Politikerinnen und Politiker aus beiden Ländern sich regelmäßig treffen sollten. Sie sollten sich besser kennenlernen und enger miteinander zusammenarbeiten. Auch die Menschen in beiden Ländern sollten mehr Kontakt haben. So wurden etwa Städte-Partnerschaften und deutsch-französische Vereine gegründet.

Heute sind sich die Länder nicht immer einig und es kann auch mal Krach geben. „Das gehört auch zu einer Freundschaft“, sagte am Sonntag eine deutsche Politikerin. Doch die Länder sprechen jetzt anders miteinander und arbeiten häufig zusammen.

„60 Jahre nach Unterzeichnung des Élysée-Vertrags stimmen Deutschland und Frankreich überein, wenn sie auf die grundlegenden Fragen zur Zukunft Europas blicken“, schrieben Deutschlands Kanzler Olaf Scholz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gemeinsam in einem Zeitungsartikel. Ihre Einigkeit wollten die beiden Länder auch am Sonntag zeigen: mit vielen Umarmungen, Gesprächen und freundlichen Worten.

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dpa.

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